Passend zur Fußball-WM werfen wir heute einen Blick auf Günter Netzer, einen der besten und interessantesten deutschen Fußballer. Sein außergewöhnlich kunstvolles Spiel und seine Persönlichkeit faszinieren bis heute seine Anhänger. Auf der Liste seiner immer noch vielen weiblichen Fans stehen wir im Blog ziemlich weit oben.
Netzer war der etwas andere Fußballstar. Viele Bilder haben sich über die Jahrzehnte in unseren Köpfen verewigt: Netzer, die stilbildende Spielerpersönlichkeit und Netzer, die Konventionen sprengende Kultfigur. Doch was macht ihn so besonders?
Günter Netzer war immer ein Hingucker
Geboren 1944 in Mönchengladbach war Günter Netzer nicht nur Spielmacher bei Borussia Mönchengladbach und später bei Real Madrid, er war auch ein immer ein Hingucker. Sein Markenzeichen waren seine wehenden blonden Haare. Was für eine Provokation unter all den brachen Ballarbeitern in kurzen Hosen. Netzer trug Schlaghosen und einen Pelzmantel bis zum Boden und fuhr auch schon mal im maßgeschneiderten Anzug und lässigem Rollkragenpullover in seinem Porsche vor. So einen gab es vorher nicht.
Günter Netzer brachte das perfekte Paket mit
Er spielte elegant, war intelligent, attraktiv und vor allem sympathisch. Aber er hatte auch das nötige Selbstbewusstsein, um, sich als Gesamtkunstwerk zu inszenieren. Seine Frisur, Kleidung, Autos und Beziehungen wurden zu unerschöpflichen Themen für die Medien. Und er selbst wurde zum Posterboy.
Von Gladbach zu Glamour. Den Spagat schaffte Günter Netzer mühelos
Er lebte buchstäblich auf großem Fuß. Er war der Erste, der Schuhe aus hauchdünnem, federleichten Känguruleder trug, Größe 46 2/3. „Ich bestand darauf, in ihnen ein Gefühl zu haben wie in einer zweiten Haut, auch wenn ich mich wegen der blauen Farbe zu Tode schämte!“.
Der Erste, der einen Ferrari fuhr. Geldstrafen wegen Raserei fand er ziemlich egal. Mit Norbert Pflippen hatte er einen Freund beim Straßenverkehrsamt, der seine Strafzettel einfach in der Schublade verschwinden ließ.
Natürlich hatte er auch noch andere nette Flitzer in seinem Fuhrpark. Als er einen maroden Jaguar an seinen Kumpel Franz Beckenauer verscherbelte, beschwerte der sich öffentlich über die „Scheißkarre“ und löste das Problem auf seine Art. Er verkaufte das Auto an den arglosen Wolfgang Overrath.
Der erste Profi, der eine Diskothek („Lovers´Lane in Mönchengladbach) eröffnete und dort an den Wochenenden Hof hielt.
Der Erste, der wirklich clever war und seinen Vertrag bei Real Madrid ohne Manager oder Berater selbst aushandelte.
Nach Beendigung seiner Fußballerkarriere wechselte er mühelos in die Welt der Medien und des big business. Er gründete er in Zürich eine Werbeagentur für Sportmarketing. Später wurde er Manager beim Hamburger SV und führte den Verein in seine erfolgreichste Zeit. Ab 1986 leitete er den Schweizer Sportvermarkter CWL, später Kirch Sport.
An der Seite Gerhard Dellings war er als Experte bei Fußballübertragungen der ARD tätig. Die beiden lieferten sich viele Jahre lang ironische Wortgefechte und wurden dafür sogar mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.
Günter Netzer lebt in Zürich und ist seit 2015 Schweizer Staatsbürger. Wenn man ihn heute so sieht, mit seinen 82 Jahren, zieht man den Hut und denkt sich: Aber hallo! , Gar nicht mal so schlecht durch den Winter gekommen.
Der Bielefelder Verlag Delius Klasing hat ein ganz tolles Buch über Günter Netzer herausgegeben: https://shop.delius-klasing.de/guenter-netzer-p-2003850/?srsltid=AfmBOorW-mTwQ4wYa2bO1954s1FZNQyOIBn-G3k9bgO9an-fjhY2_-TM
Das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund widmete Günter Netzer 2026 eine Ausstellung. Cerstin hat sie besucht. https://stylerebelles.com/der-mann-der-fussball-aufregend-machte-die-guenter-netzer-sonderausstellung-im-fussballmuseum-dortmund/