
Das Thema der letzten Woche in der Modewelt: Der Modeschöpfer Valentino Garavani ist im Alter von 93 Jahren in Rom verstorben. Ein Blick hinter die Kulissen auf sein Leben, sein Erbe und die Stillektionen, die er Frauen hinterlässt.
Valentino Garavani liebte das Jetset-Leben
Sein Lebensstil war an die glamourösen Orte gebunden, an denen sich zu bestimmten Zeiten im Jahr bestimmte Menschen aufhalten. Im Mai und im November flog er in seinem 14sitzigen Challenger Privatjet zu den „social seasons“ in seine Wohnung nach New York, im Winter im Lodenmantel mit Chinchilla-Kragen nach Gstaad, stets begleitet von seinem major domus, einem Fahrer, zwei Butlern und einem Hausmädchen, Tonnen von Gepäck und den Möpsen: Milton, Maude, Monty, Margot und Molly.
Sonst hielt er sich hauptsächlich in Rom, Paris und London auf, abgesehen von den Reisen mit seiner Yacht, die er im Sommer unternahm und die ihn, oft mit prominenten Gästen an Bord, die von 50 Angestellten verwöhnt wurden, zu Inseln wie Capri brachten. La dolce vita! Das Leben war eine Party!
Valentino Garavani war bereits seit fast 20 Jahren ein Mode-Rentner. 2007, bei der großen Valentino-Show in Rom anlässlich des 45. Jubiläums des Modehauses, veranstaltete er ein riesiges Spektakel in der Ewigen Stadt. Natürlich waren dafür nur die legendärsten Orte Roms die richtige Wahl.
Im Tempel der Venus und der Roma fand das Eröffnungs-Dinner des Events statt, das drei Tage in Anspruch nahm. Unweit des Vatikans wurde die vorletzte Haute-Couture-Kollektion des Designers präsentiert. Die Show brachte den Glamour zutage, derValentino Garavani so berühmt gemacht hat.
Valentinos Entwürfe waren für Frauen gemacht, die diese Grandezza ausstrahlten
Es waren Ikonen wie Jackie Kennedy. Nicht nur ihre schwarze Trauergarderobe nach dem Tod John F. Kennedys entwarf Valentino Garavani, sondern auch ihr Brautkleid für die Hochzeit mit Aristoteles Onassis. Models wie Claudia Schiffer oder Schauspielerinnen wie Sophia Loren, Gwyneth Paltrow und Julia Roberts trugen seine Haute Couture-Abendroben.
Zu seinen Kundinnen zählten ausnahmslos Frauen, die einen wählerischen und teuren Geschmack hatten. Wenn Valentino Garavani über seine Kollektionen sprach, dann wählte er meist Beschreibungen wie „glamourös, glamourös, glamourös.“ So einfach war das in seiner Welt.
Valentino wusste: Eine Frau in Rot wird niemals übersehen. Kein Designer ist so mit einer Farbe verknüpft wie der Italiener mit einem ganz bestimmten Rot, seinem Rosso Valentino. Denn Stil bedeutete für ihn auch den Mut zu haben, einen Raum optisch einzunehmen und durch eine bewusste Farbwahl Präsenz zu zeigen anstatt in der grauen Masse unterzugehen.
Er hielt nichts von unvorteilhaften Silhouetten, die provozieren wollten. Für ihn war Mode dazu da, die weibliche Silhouette zu betonen und zu feiern. Er riet dazu, immer in Teile zu investieren, die die eigene Schönheit unterstreichen anstatt kurzlebigen Moden zu folgen.
Valentinos Erfolgsgeschichte begann in den 1960er Jahren, seinem erklärten Lieblingsjahrzehnt
Die Siebziger und Neunziger mochte er auch, wie er einmal sagte, die Achtziger hingegen hasste er: Er fand sie vulgär. Genau 1960 hatte der Designer seine eigene Marke ins Leben gerufen, zusammen mit Giancarlo Giammetti, den er in einem Café auf der Via Veneto im selben Jahr in Rom kennengelernt hatte.
Giammetti wurde nicht nur ber fünf Dekaden zu seinem Geschäfts-, sondern zeitweise auch zu seinem Lebenspartner. Bis zu seinem Tod waren die beiden eng verbunden, auch wenn Garavani mit Bruce Hoeksema in den frühen 1980er Jahren einen weiteren Lebenspartner gefunden hatte. Giammetti kümmerte sich von Beginn an um die kommerziellen Angelegenheiten der Marke Valentino.
Er wusste, dass man ein Kleid nicht nur anfertigen, sondern vor allem bewerben, eine interessante Geschichte darüber erzählen, es verkaufen musste und hielt dem Designer damit den Rücken frei, der sich so voll und ganz auf seine kreative Arbeit konzentrieren konnte. Valentino und Giametti, hieß es über viele Jahre in der Modewelt, der Geschäftssinn von Giammetti und das Talent von Valentino. What a perfect marriage they have!
Im Zeitalter der Haute Couture, in dem sehr wohlhabende Frauen drei oder viel Mal am Tag die Garderobe wechselten und sich von einem Designer ausstatten ließen, ging die Arbeitsweise von Valentino Garavani geschäftlich noch auf. Der Couturier hatte ein gutes Näschen, als er sich 2008 beruflich zur Ruhe setzte, denn mit der sich neu und immer schneller entwickelnden Modewelt, ihren Hypes und neuen Akteuren, hätte er vielleicht seine Mühe gehabt.
Rund 300 Millionen Euro erhielten Valentino Garavani und Giacomo Giammetti, als sie 1998 ihre Firmenanteile verkauften. Heute gehört das Modehaus der Königsfamilie von Katar.
Und hier noch einige Zitate aus dem Universum von Valentino Garavani. Aber Vorsicht! Es ist eine andere Welt als die unsere.
Wahre Meisterschaft liegt im Detail.
Ich hasse Exzesse. Wahre Eleganz hat immer ein Maß.
Stil ist eine Lebenseinstellung, die weit über den Kleiderschrank hinausgeht.
Mode ist vergänglich, Eleganz ist ewig.
Kurze Socken. Das ist das Schlimmste.
Ein Abendkleid, das beim Gehen die Knöchel einer Frau entblößt, ist das Widerwärtigste, was ich je gesehen habe
Mode ist das, was du kaufst. Dein einzigartiger Stil ist das, was du daraus machst.
Giorgio Armani verstarb hochbetagt, aber bis zuletzt noch aktiv, im letzten Jahr. Hier lesen Sie Cerstins Nachruf auf den anderen großen italienischen Couturier:https://stylerebelles.com/giorgio-armani-was-bleibt/