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Die Bundestagswahl ist vorbei, unsere Aufgabe nicht – wir alle sind gefragt

Der Fall der Berliner Mauer ist eine meiner ersten „politischen“ Kindheitserinnerungen, bei der ich mir sicher bin, dass ich sie tatsächlich selbst erinnere (im Gegensatz dazu, sie nur aus Fotos oder Erzählungen zu kennen). Mit ihr kommen weitere Erinnerungen an den Fall des Eisernen Vorhangs und den Abbau autoritärer Regime. Erreicht wurden sie durch Politiker, die das Richtige taten. Und durch den anhaltenden und mutigen Aktivismus von Menschen in ganz Europa.

Gleichzeitig erinnere ich mich aber auch an wahre Schrecken, insbesondere die Genozide im ehemaligen Jugoslawien und in Ruanda. Während wir diese Gräueltaten niemals vergessen dürfen, hatte mein jugendliches Ich dennoch das Gefühl, dass wir uns insgesamt in eine bessere Zukunft bewegten.

Ich erkenne an, dass diese Sichtweise eine Naivität des jugendlichen Denkens widerspiegelt. Und auch das Privileg eines weißen Kindes aus Westdeutschland mit sich bringt – über die Wichtigkeit, das eigene (relative) Privileg zu hinterfragen, hätte ich damals nicht nachgedacht.

Versteht mich nicht falsch: ich sage hier nicht, dass die Vergangenheit besser war. Früher war nicht mehr Lametta! Als Historikerin kann ich das ganz klar so sagen!

Was ich jedoch sagen möchte, wenn ich über die Gedanken meines jüngeren Ichs nachdenke, ist, dass Fortschritt kein automatischer Prozess ist, der immer weiter geht. Diese Annahme ist nicht nur selbstgefällig, sondern auch brandgefährlich.

Und in Deutschland sind wir seit der Bundestagswahl gestern genau darum nun an einem echten Scheideweg angelangt.

Die dringendste Sorge in diesem Zusammenhang ist die weitverbreitete Annahme – die viele Menschen teilen – dass Demokratien sicher sind. Das ist offensichtlich nicht der Fall, wie Beispiele aus Ungarn – und nun auch den USA – zeigen. Auch im Vereinigten Königreich sind wir bereits weiter auf dem Weg des Abbaus demokratischer Prinzipien, als vielen bewusst ist. Dies ist eine direkte Folge des Vakuums, das durch den Brexit entstanden ist. Der Demokratieabbau wird eines seiner zentralen Vermächtnisse sein.

Was gerade in den USA passiert erscheint so unglaublich, dass viele es wirklich weiterhin nicht glauben wollen. Und von den Niederlanden bis nun auch nach Deutschland zeigt sich, dass auch das Verhältniswahlrecht keine wasserdichte Absicherung für Demokratie bietet – es wäre töricht, das zu glauben.

Darum heute von mir dieser Text. Denn Fashionista oder nicht: die Wahl in Deutschland ist vorbei, unsere Aufgabe der Demokratiebewahrung nicht – wir alle sind gefragt.

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3 Kommentare

  1. Bettina Kray
    24/02/2025 / 15:34

    Wie wahr , liebe Tanja!
    Vor allem anderen bedeutet das auch sich klarzumachen, dass wir verantwortlich sind – nicht irgendjemand da oben oder sonstwo. Es geht nicht darum, was uns zusteht, sondern was wir bereit sind zu schaffen. Und diese Verantwortung haben wir, die in der langen Zeit des Friedens nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen sind, ganz besonders. Das fängt bei jedem einzelnen an und ist wichtiges Thema schon in meiner 3. Klasse. Herzliche Grüße Bettina

  2. Christiane
    28/02/2025 / 17:26

    Liebe Tanja,
    vielen Dank für diesen klugen und mittlerweile auch mutigen Beitrag.
    Auch mich -aus Ostberlin – hat nie das Gefühl verlassen, dass es besser werden wird, dass der Weg immer vorwärts geht. Und so war es auch bisher – wir sollten nichts unversucht lassen, dass es auch weiterhin so bleibt. Es ist alternativlos!

  3. Christiane
    28/02/2025 / 17:28

    ….. und macht unbedingt weiter mit eurem vielseitigen Blog! Es ist immer ein Genuss, hier zu lesen
    Das hatte ich noch vergessen.

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