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Museum virtuell: Alexander McQueen Savage Beauty im Victoria & Albert Museum

In Deutschland darf man ja schon wieder etwas mehr in eine normalere Form des Lebens zurück, hier in Großbritannien sind wir davon weit entfernt. Aber egal wo, auf manche Dinge werden wir noch eine ganze Weile warten müssen. Der Besuch von Ausstellungen gehört wohl dazu. Aber solche kann man ja auch ein klein wenig online geniessen. Und so dachte ich zurück an Savage Beauty – die beste Modeausstellung, in der ich bisher gewesen bin. Punkt.

Warum is Savage Beauty der Favorit?

Einerseits liegt es natürlich an den augestellten Stücken. Obwohl ich nicht alles im traditionellen Sinn „schön“ finde hat mich McQueen mit seinen Ideen schon immer fasziniert: manchmal „over the top“ und vor allem immer edgy. Also genau mein Ding. Letztendlich ist es aber das Gesamtkonzept der Ausstellung, dass so umwerfend ist. Das Design der Ausstellung in verschiedenen Räumen war wirklich ganz unglaublich. Es standen nicht einfach Modepuppen mit McQueen-Stücken in der Gegend herum. Nein, im Grunde war es schon eher wie ein McQueen Abenteurspielplatz.

Alles began jedoch zunächst regelrecht dezent, der erst Einblick ganz simple graue Wänden, gestaltet nur mit ein paar Zitaten von McQueen. So machten die Worte vielleicht noch ein klein wenig mehr Eindruck, ganz ohne Schmuck und Schnörkel. Das änderte sich jedoch schlagartig in der Ausstellung selbst, die opulenter kaum hätte sein können – entweder aufgrund der Kleidungsstücke selbst, oder im Zusammenspiel mit ihrer Präsentation. Die Identitäten verschiedener Kollektionen spiegelten sich wieder. Für die kontroverse Highland Rape Kollektion aus dem Jahr 1995 gab es zum beispiel nur einen einfachen grauen Hintergrund, während die Romantic Gothic Kollektion als Hintergrund in Gold eingerahmte Spiegel und Vitrinen bot.

Stimmiger könnten Kleidung und Schauplatz nicht zusammenkommen

Auch wenn es manchmal etwas makaber daher ging: ein Gang, der mit Knochen und Totenköpfen dekoriert ist – wie auch ein Ausstellungsraum selbst. Den Totankopf gab es auch, in typischem McQueen Stil, auf der Tragetasche. Sie ist mir noch immer ein guter Begleiter. Danach der rote McQueen Tartan, präsentiert in einem ganz aus Holz gehalten Raum.  Hier erkennt man auch einmal wieder, dass McQueen oft von historischer Kleidung inspiriert wurde. Ob es daran liegt weiss ich nicht, aber hier befand sich auch mein absolutes Austellungs-Highlights: ein unglaubliches Federkleid aus der „The girl who lived in a tree“ Herbst/Winter Kollektion 2008.

Danache die totale Reizüberflutung im Cabinet of Curiosities! Vom Boden bis zur Decke sieht man die unterschiedlichsten Stücke – Kleidung, Schuhe, Accessoires und eben einfach ein paar Kuriositäten. Unter den Accessoires findet man etliche Kopfbedeckungen, die der Hutmacher Philip Treacy für McQueen entworfen hat. Darunter zum Beispiel mein Liebling, der Butterfly headdress (Philip Treacy for Alexander McQueen, La Dame Bleue, Frühjahr/Sommer 2008). Und auch der japanische Tempelhut, den niemand so herrlich trug wie Isabella Blow. Auf Bildschirmen werden zudem verschiedene McQueen Modeschauen gezeigt, und auch das „Making of“ des brühmten Graffiti Kleids. Hier befanden sich auch weitere meiner Highlights: Outfits aus der „The horn of plenty“ Herbst/Winter Kollektion 2009 – überhaupt wohl meine liebste McQueen Kollektion (alle Stücke hier).

Am Ende wurde es futuristisch – die eine perfekte Austellungsheimat für die gezeigten Stücke. Der Blick auf die Zukunft setzte sich auf den letzten Austellungsmetern fort – mit Armadillo-Schuhen und Modepuppen aus einer etwas anderen Welt. Dann fast eine Kehrtwende, und Romantik hier Einzug. Diesen McQueen – futurisctisch und romantisch – mochte ich noch nie so ganz gerne, aber immerhin belegen diese Kreationen seine Vielseitigkeit und Facetten.

Todtraurig

Für mich hat die Ausstellung vor allem verdeutlicht, wie tragisch es ist, dass McQueen trotz seines immensen Talents und der kreativen Kraft seiner Arbeit im Leben selbst keinen Sinn mehr sah (hier ein Nachruf). Er hat durch seine Visionen und Ideen Mode – und die Vorstellung, was gute Kleidung ausmacht – immer wieder bis an die Grenzen gebracht, manchmal darüber hinaus.

McQueen sah Mode nicht einfach als Kleidung. Für ihn war sie Theater und Inszenierung. Genau wie die Savage Beauty Ausstellung selbst es auch war. Sie ist die größte Mode-Ausstellung, die das Victoria & Albert Museum bisher gezeigt hat. Und die Kuratoren haben etwas wirklich wundervolles vollbracht: auch wenn die Grundkonzeption von Savage Beauty bereits für das Met in New York stand, hat die Ausstellung im V & A einen eigenen Charakter. Und auf jeden Fall bietet sie eine faszinierende, einfach stimmige und herrliche Homage an McQueen.

Wer gerne alle McQueen Kollektionen durchstöbern möchte, für den hat Vogue hier genau die richtige Seite.

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