Wollwalk Bomberjacke – wie geht das denn? Bei Bomberjacken denke ich zumindest eigentlich nicht an Wolle. Aber bevor ich überhaupt zu der Frage kam musste ich erstmal nachschlagen, wie das Material eigentlich auf Deutsch heißt. Hier in Schottland sagen wir „boiled wool“, und irgendwie kam mir gekochte Wolle als direkte Übersetzung komisch vor. Sowas passiert mir mittlerweile manchmal – nach so langer Zeit im Ausland wohl kein Wunder. Aber die Antwort ist tatsächlich herrlich einfach: man kann gekochte Wolle oder Kochwolle sagen. Häufiger wird aber wohl Wollwalk verwendet. Ich liebe das Material seit Jahren – aber als Wollwalk Bomberjacke? Mein Interesse war sofort geweckt.
Wollwalk Bomberjacke – aber erstmal: was ist eigentlich Wollwalk?
Das Prinzip ist simpel und gleichzeitig ziemlich genial. Ein Wollstoff wird mit Wärme, Feuchtigkeit und Druck bearbeitet: geknetet, gestaucht, gepresst. Die feinen Härchen der Wollfasern verhaken sich ineinander, der Stoff verfilzt an der Oberfläche, zieht sich zusammen und wird dicht und fest. Traditionell unterscheidet man, ob der Ausgangsstoff gewebt war, dann spricht man eher von Loden, oder gestrickt, dann eher von Walk. Der gestrickte Walk bleibt elastischer und luftiger, der gewebte Loden ist steifer und hält den Wind besser ab. Im Laden verschwimmen die Begriffe allerdings längst.
Warum ich das Material so mag? Weil es warm ist, ohne schwer zu sein. Weil es atmet. Und weil es dank des natürlichen Wollfetts auch leichten Nieselregen erstmal einfach abperlen lässt – davon haben wir in Schottland natürlich schon dann und wann mal reichlich. Toll ist natürlich auch, dass Wollwalk kaum knittert und eigentlich nicht gewaschen werden muss. Meistens reicht es, ein Stück aus gekochter Wolle über Nacht auszulüften.

Der Weg von den Hebriden zur Wollwalk Bomberjacke
Mein Lieblingskapitel dieser Geschichte spielt aber vor meiner Haustür, oder zumindest ein paar Fährstunden entfernt. Auf den Äußeren Hebriden hieß das Walken ‚waulking‘. Frisch gewebter Tweed wurde nass um einen langen Tisch herumgereicht und von Frauen im Rhythmus auf das Holz geschlagen, bis er dicht und weich war. Dazu wurde gesungen: gälische ‚waulking songs‘, òrain luaidh. Lieder über Liebe, über Männer, die auf See geblieben waren, über Klatsch aus dem Nachbardorf. Während im Rest Großbritanniens längst Mühlen die Arbeit übernommen hatten, blieb diese Tradition auf den Inseln bis ins 20. Jahrhundert lebendig. Mehr dazu könnt ihr hier erfahren.
Als Historikerin berührt mich daran vor allem eines: dieses Material war nie nur Stoff. Es war Gemeinschaft, Arbeit, Frauenwissen und mündliche Überlieferung. Wenn ich im Herbst eine Jacke aus gekochter Wolle anziehe, trage ich also ja irgendwie ein ganz kleines Stück dieser Geschichte mit – wenn auch nun massenverarbeitet, darin liegen natürlich Unterschiede. Aber die Hebriden und Tweed liebe ich sowieso! Und in den schottischen Highlands kommt Wollwalk immer gelegen, sicher als Wollwalk Bomberjacke, aber auch in leichterem Pulli kombiniert mit Mütze!
Und apropos Hebriden und Tweed: Tweed gehört natürlich auch in jeden Kleiderschrank!
Wollwalk Bomberjacke – vom Cockpit in den Alltag
Die Bomberjacke hat eine ganz andere Herkunft. 1927 führte die US Army mit der A-1 die erste Standard-Fliegerjacke ein: aus Leder, mit gestricktem Kragen, Strickbündchen und Strickbund gegen die Kälte, und, jetzt aufgepasst, mit Knopfverschluss. Erst die berühmte A-2 der 1930er bekam den Reißverschluss. Um 1950 folgte die MA-1 für das Jetzeitalter, aus Nylon, weil schweres Leder, das nass wurde, in großer Höhe schlicht gefror. Von dort aus eroberte die Bomberjacke die Straße, die Subkulturen und irgendwann jeden zweiten Kleiderschrank.
Die Bomberjacke war also schon immer eine Frage des Materials. Leder, dann Nylon, jetzt bei mir gekochteWolle – und genau deshalb finde ich die Idee so spannend.
Wollwalk Bomberjacke von COS im Test
Bei COS gibt es in dieser Saison eine Bomberjacke aus gekochtem Woll-Mix in Anthrazitgrau. Gerippter Kragen, gerippte Bündchen, gerippter Saum und, siehe oben, eine Knopfleiste statt Reißverschluss. Ob bei COS jemand an die allererste A-1 gedacht hat, weiß ich nicht. Was das Material mit der Form macht, ist das eigentlich Interessante. Nylon gibt dem Bomber diesen glänzenden, leicht militärischen Street-Look. Gekochte Wolle nimmt ihm genau das und lässt die Silhouette trotzdem stehen. Das Ergebnis wirkt weicher, erwachsener, fast ein bisschen intellektuell, ohne die Kante zu verlieren. Der Bomber ist kein Teenager-Teil mehr, sondern ein Klassiker mit edge, finde ich!
Wollwalk Bomberjacke – perfekt leger für den Stadtspaziergang
Die Jacke ist kurz. Sie will, finde ich, also mit hoher Taille kombiniert werden: weite Hose, Midirock, darunter ein dunkler Rollkragen – so habe ich sie schon oft gestylt. Für diesen Post trage ich jedoch eine sportlichere Version. Eine dunkelblaue Tapered Jeans im High-Waist-Schnitt (auch von COS), die nach unten hin schmaler zuläuft, und dazu silberne Sneaker als modernen und farblicher Eyecatcher. Dieser Mix aus Denim und dem weichen Walkstoff bricht den Look perfekt auf. Aber auch ein eleganter Rock mit Stiefeln passt hervorragend in den Herbst. Wer mehr Farbe möchte, setzt einfach einen knalligen Schal gegen die Jacke.
