Heute geht es um 3 Frauen, deren späte Jahre nicht deprimierend-düster waren, sondern die das Alter als Vergnügen sahen und Falten Falten sein ließen. Es ist sehr anregend, sich mit ihren Alterskonzepten zu beschäftigen. Damit es auch mal wieder schöne Nachrichten zum älter werden gibt.
Georgia O´Keeffe: Arbeit und frischer Luft!
Die Malerin Georgia O´Keeffe war 60, als sie beschloss, von New York nach New Mexico zu übersiedeln und dauerhaft in einem Haus in der Wüste zu wohnen. Dort blieb sie bis zu ihrem 96.Lebensjahr, ein Jahr, bevor sie starb. Jedes Mal, wenn ich ein Foto von ihr als alter Frau sehe, bin ich fasziniert von ihrer Erscheinung und strahlenden Präsenz. Eine Frau, die wie ein Mann alterte – ohne sich viele Gedanken um ihr Aussehen zu machen. Ihre Energie verwendete sie lieber für ihre Arbeit, ihren Garten, ihre Ernährung als Selbstversorgerin, ihre täglichen Sonnenbäder und Spaziergänge bei Wind und Wetter. Angst vorm Alter kannte sie nicht. Sie tauchte vollkommen in die Natur ein, die ihr dabei half, dauerhaft mit sich in Einklang zu sein.
Sonia Delaunay: Arbeit, Genuss und ganz viel Paris!
Die Malerin Sonia Delaunay war auch im hohen Alter eine Frau von außerordentlicher Lebensfreude, Kreativität und Vitalität. Sie erfreute sich guter Gesundheit und war bis zum Alter von 90 Jahren künstlerisch vielfältig tätig. Sie malte, stattete Ballettproduktionen aus, entwarf Teppich- und Stoffmuster sowie Plakate.
Sonia Delaunay hatte ein reges gesellschaftliches Leben, angefüllt mit zahlreichen offiziellen Anlässen, bei denen sie oder ihr verstorbener Mann Robert geehrt wurden. 1967, sie war 82 Jahre alt, widmete ihr das Musée National d´Art Moderne in Paris eine Retrospektive mit 200 Exponaten, darunter Lithografien, Radierungen, Kleidern, Teppichen, Buchumschlägen, Spielkarten, Stoffentwürfen und einen Simca Matra, den sie für einen Benefizverkauf zugunsten der medizinischen Forschung ausgestattet hatte. Die Eröffnung war ein gesellschaftliches Ereignis, selbst Kultusminister André Malraux, der ein guter Freund war, wohnte ihr bei.
1975 wurde Sonia Delaunay zum Offizier der französischen Ehrenlegion ernannt. Im Juni des gleichen Jahres richtete ihr der Galerist Ernst Beyeler auf der Kunstmesse in Basel eine große Ausstellungsfläche ein, für die sie Gouachen anfertigte. Im Sommer 1979, sie war mittlerweile 94 Jahre alt, beteiligte sie sich an der Ausstellung „Paris-Moskau“ im Centre Pompidou.
Sonia Delaunay genoss ihre Anerkennung und die damit verbundenen finanziellen Auswirkungen. Ihre Sekretärin nahm ihr die Korrespondenz ab und entlastete sie von Haushaltspflichten. So hatte sie mehr Zeit für ihre Arbeit und für ausgedehnte Reisen. Ein Chauffeur holte sie in einem gemieteten Rolls-Royce in der Rue de Saint-Simon im 7. Arrondissement ab – zum Spaziergang im Bois de Boulognge oder zum Einkaufen in der Stadt. Sie kleidete sich bei Chanel und Givenchy ein und kaufte ihre Patisserien bei Fauchon. Ihr Lieblingsrestaurant war die Brasserie La Closerie des Lilas am Boulevard Montparnasse.
Sonia Delaunay starb am 5. Dezember 1979 in ihrem Atelier. Sie wurde auf dem Friedhof vom Gambais neben Roberts Grab beigesetzt, in einem Abendkleid aus dunkelblauem Samt, das Hubert de Givenchy anlässlich eines Empfangs der englischen Königin Elisabeth II in Versailles für sie entworfen hatte.
Sie selbst fasste ihr Leben so zusammen: „Ich hatte drei Leben: eines für Robert, eines für meinen Sohn und meine Enkel und ein kürzeres für mich selbst. Ich bereue nicht, mich nicht mehr um mich selbst gekümmert zu haben. Ich hatte wirklich keine Zeit dafür.“
Sally Lippman: Tanzen gehen!
Die New Yorker Rechtsanwältin Sally Lippman wurde mit 77 Jahren Witwe. Nach dem Tod ihres Mannes änderte die im Jahr 1900 geborene Juristin ihr Leben. Im Gegensatz zu ihrem Mann, der nicht gerne ausgegangen war, war Sally eine begeisterte Tänzerin. Im September 1978 kam sie zum ersten Mal ins Studio 54, an ihrer Seite John, ein 25jähriger junger Bekannter. Vorsichtshalber trug sie Ohrstöpsel.
Von da an besuchte die kinderlose alte Dame mehrmals in der Woche Clubs und wurde mit ihren temperamentvollen dance moves zu Disco Sally, dem Star des Studio 54. Sie trug extravagante Outfits mit bunten Mustern und großen Sonnenbrillen und Kopfputz aus Federn. Männer wie Dustin Hoffman und Bill Murray freuten sich, mit ihr tanzen zu können.
Das Foto vom 13.Februar 1979 zeigt Disco Sally, damals 78, mit ihrem Tanzpartner John. Mit ihm ging sie auch eine zweite Ehe ein.
Entgegen den Erwartungen vieler Trauergäste wurden auf der Trauerfeier für die verstorbene Matriarchin der New Yorker Clubszene keine Disco-Songs gespielt.
Auch eine kleine Reise könnte die Angst vorm Alter vertreiben. Sie trauen sich alleine nicht? Hier ein Erfahrungsbericht, der Ihnen die Angst vorm Alleinreisen nimmt: https://stylerebelles.com/mit-ue50-als-frau-zum-ersten-mal-alleine-verreisen-ein-erfahrungsbericht/