
Es ist noch nicht ganz dunkel, als wir die Hansemannstraße in Ehrenfeld in Richtung Kluth entlang schlendern. Drinnen leuchten warme Lichter hinter kleinen Scheiben, der Gastraum wirkt auf den ersten Blick wie ein kleiner, nordisch geprägter Salon – edel, aber schlicht. Der Dresscode eher zwanglos, schon anders ist als das übliche „schick essen gehen“: Kein steife Förmlichkeit, sondern ein kulinarisches Erlebnis mit überraschend viel Tiefe – und einem Preisniveau, das den Anspruch widerspiegelt (6 Gänge 85 Euro bzw. 75 Euro in der vegetarischen Version, der Mann meiner Wahl braucht ein bisschen mehr Brot, um satt zu werden, das war aber kein Problem).
Das Menü im Kluth Köln kann à la carte oder als Mehr-Gang-Menü gewählt werden
Es orientiert sich am saisonalen Angebot und an dem, was die Region gerade hergibt – ein Konzept, das sowohl den Anspruch der Gastronomie als auch den Respekt vor den Zutaten vereint.

Was sofort auffällt: Das Kluth steht zwar für Fine Dining, aber ohne das Etepetete drumherum
Die Atmosphäre ist relaxed, einladend, unprätentiös – und schön zugleich. Holz, warmes Licht, klare Linien, dazwischen Teller, die zeigen, dass Kreativität und Anspruch hier kein Gegensatz sind. Die Musik ist leise, als hätte jemand den Ton bewusst auf „gutes Gespräch“ gestellt. Und tatsächlich, schnell kommen wir mit den Gästen rechts und links von uns ins Gespräch. Sie alle haben sich für das „et kütt wie et kütt“ Menü entschieden. Wir spinxen auf die Teller nach rechts, die unseren einen Gang voraus sind, und geben Tipps nach links, die ein wenig später angefangen haben. Trotz gleicher Menüwahl, sehen die Gerichte aber immer ein bisschen anders aus. Denn jede Allergie, Unverträglichkeit oder einfach nur Abneigung wird detailiert abgefragt und Rücksicht genommen.

Die Köpfe hinter dem Konzept des Restaurant Kluth in Köln
Hinter diesem Abend stehen zwei bekannte Namen der Kölner Gastronomie, die hier ihre Handschrift auf ganz neue Weise zeigen: Hannes Radeck und Kevin Rademacker. Beide stammen aus der gehobenen Küche des renommierten Restaurants Ox & Klee – Radeck war dort unter anderem Chef Pâtissier des Jahres laut Gault & Millau, Rademacker arbeitete zuletzt als Küchenchef der Frohnatur Weinstube.
Im Kluth bündeln sie ihre Erfahrungen und interpretieren sie flexibel: Die Küche ist regional, saisonal und nachhaltig, besonders, aber nicht überkandidelt. Vielmehr spiegelt sie eine Haltung wider, in der tiefe Wertschätzung für Zutaten, Lieferanten und Handwerk mit einer warmen, persönlichen Gastlichkeit verschmilzt. Dementsprechende konsequent wird mit der Menükarte eine Liste der Bezugsquellen gereicht.

Kulinarik zwischen Leichtigkeit und Raffinesse
Was wir serviert bekommen, ist genauso wie der Raum: klar, wohlüberlegt und zugleich ganz fein. Es sind keine „Effekte“, die überraschen, sondern Geschmackserlebnisse, die glücklich machen. Statt simplifizierter Tellersprache überrascht jedes Gericht mit einer Geschichte aus Ideen und technischer Finesse: Gemüse, das mit originellen Fermentierungen und Reduktionen neue Nuancen entwickelt. Fleisch und Fisch, sorgfältig ausgewählt und teils nose-to-tail verarbeitet, um ganze Tiere zu verwerten und nachhaltig zu arbeiten.

Der Käsegang mit Birne und Walnuss war so großartig, dass ich das Foto erst nach ein paar Bissen gemacht habe. Er kam ganz heile am Tisch an 🙂
Ein Abend, der bleibt
Im Kluth wird klar, dass anspruchsvolle Küche und entspannte Atmosphäre kein Widerspruch sein müssen. Es ist ein Essen, in dem Handwerk spürbar wird und eine Geschichte erzählt wird. Dementsprechend konsequent fand ich dass jeder Gang und zum Teil auch Zubereitungsdetails vom aufmerksamen Personal oder dem Koch selbst am Tisch erklärt werden. Die Gespräche am Tisch kreisen auch ganz oft um die feinen Gerichte, die uns kredenzt werden. Am Ende nimmt man mehr als nur das Gefühl, satt zu sein, mit: Erinnerungen an besondere Aromen und ihre Zubereitungsgeschichten, die länger im Kopf als im Bauch bleiben.
Weitere Informationen und Reservierungen unter: https://kluth-restaurant.de/
Öffnungszeiten ab März 2026: jeweils Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr.
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