
Christian Diors Einfluss auf Azzedine Alaia ist bekannt. Eine Ausstellung in Paris zeigt, was die beiden großen Couturiers verbindet.
In der großen Halle der Fondation Alaia in der Rue de Verrerie im Pariser Stadtteil Marais stehen 70 Kleidungsstücke und führen eine Art Dialog miteinander. Ein Cocktailkleid von Dior neben einem von Alaia, kostbare Spitze neben kostbarer Spitze, eine geraffte Taille trifft auf eine andere geraffte Taille. Die Ausstellung wirkt wie ein Dialog zwischen den zwei Legenden, die sich 1956 zum ersten Mal begegnet sind. In diesem Jahr kam Azzedine Alaia aus Tunesien nach Paris.
Ermutigt durch die Mutter einer Freundin in Tunis entstieg er dem Flugzeug und ging geradewegs zu Madame Lévy-Despas, einer Kundin von Christian Dior. Sie vermittelte ihm ein Praktikum in Diors Atelier. Alaia war Autodidakt. Am 25. Juni 1956 nahm er seine Arbeit bei Dior auf, blieb aber nur vier Tage in den Ateliers in der Rue Francois 1er. Länger war der Individualist nicht bereit, sich dort ein- und unterzuordnen.
Azzedine Alaia scherte sich nicht um die Konventionen in der Hauptstadt der Mode. Nähen und Schnitttechnik brachte er sich selbst bei. Seine Kollektionen zeigte er unabhängig vom Pret-à-Porter – Kalender, wann er es für richtig hielt. Aufwändige Werbekampagnen sparte er sich. Doch der Eindruck, den er aus Diors Studio mitnahm, das kompromisslose Streben nach Perfektion und das handwerkliche Können, sollten seine Arbeit für immer prägen.
Azzedine Alaia empfand sein Leben lang grenzenlose Bewunderung für Dior, dessen Kleider ihn schlichtweg faszinierten.
Schon seine ersten eigenen Entwürfe für Pariser Kundinnen zeigen Diors Einfluss. Wie Dior hatte er eine Vorliebe für körperbetonte Schnitte mit betonten Taillen und Schultern und voluminösen Röcke. Die beiden Designer teilten auch eine Vorliebe für sehr gute Materialien und subtile Farben, wie den Gebrauch aller Schattierungen von Schwarz und Grau. Diese Reduktion macht ihre Kleidung bis heute zu zeitlosen Statements.
Alaia war auch ein Mode-Archivar und Sammler. Er sammelte in fünf Jahrzehnten rund 20 000 Kleidungsstücke. 600 davon stammen aus dem Haus Dior. Alaia hatte kein Privatflugzeug, keine Villa an der Cote d`Azur, er machte keine Ferien. Seine Leben lang trug er schlichte, schwarze Mao-Anzüge. Alles, was er verdiente, investierte er in seine Sammlung von Kleidern seiner Kollegen.
Seine Bewunderung für andere Designer ist das Fundament dieser Ausstellung. Zwei Jahre lang haben Archivare aus dem Haus Dior und aus der Fondation Alaia daran gearbeitet. Jedes einzelne Stück wurde restauriert und fotografiert. Aus dieser Zusammenarbeit entstand die Idee für die Ausstellung.
Und da sind sie nun! Kleid neben Kleid, eines von Dior, eines von Azzedine Alaia, jedes wunderschön!
Aber es gibt noch mehr zu sehen. Besucher der Ausstellung können in der 1. Etage des Gebäudes auch das Atelier Alaias ansehen. Alles ist noch unberührt, alles ist noch da: Seine Brille, seine Medikamente, Stoffproben und nicht vollendete Modelle. Nichts wurde seit seinem Tod am 18. November 2017 verändert, und ist nur durch eine große Glasscheibe von den Besuchern getrennt.
Sie würden gerne noch eine andere Mode-Ausstellung sehen? Kein Problem. Hier nimmt Cerstin Sie mit in die Armani-Ausstellung in Mailand: https://stylerebelles.com/armani-silos-mailand-modegeschichte-zum-traeumen/