
Ich habe lange über diesen Titel nachgedacht und mich dann doch für diese Formulierung entschieden – in der leisen Hoffnung, dass der eine oder andere Mann diesen Text liest, der normalerweise vielleicht nicht auf die Idee gekommen wäre, einen Ü40/Ü50/Ü60-Blog zu öffnen.
Ja, die Idee einer Sauna ist relativ schlicht: Man sitzt in einer Holzkiste und schwitzt. Meist nackt.
Und ja, das ist für viele wunderbar. Entspannend. Erdend.
In der gemischten Sauna ist es allerdings nicht immer ganz so entspannt, wie es eigentlich sein könnte. Manchmal reicht schon das Verhalten einzelner Mitmenschen, damit aus wohliger Wärme ein eher unangenehmes Gefühl wird.
Das muss nicht sein. Deshalb kommt hier – basierend auf meinen persönlichen Gesprächen mit Frauen unterschiedlichen Alters und mit einem Augenzwinkern – eine kleine Wunschliste.
Was Frauen sich von Männern in der Sauna wünschen: fünf bescheidene Bitten
1. Die Basics. Ohne die geht’s nicht.
Die Saunaregeln gelten für alle, Männer wie Frauen, und die meisten kennen sie: vorher duschen, das Handtuch komplett unterlegen, Badeschuhe vor der Kabine lassen, das Handy gleich im Spind.
In den Ruheräumen tut man, wofür sie da sind: Man ruht sich aus. Möglichst schweigend.
Nichts davon ist kompliziert. Und doch ist es erstaunlich, wie viel Entspannung allein daraus entsteht, dass sich alle an diese einfachen Regeln halten.
2. Ja, es ist heiß. Das muss man nicht akustisch kommentieren.
Wir sitzen alle im selben Raum.
Mit derselben Temperatur.
Es ist heiß. Das ist die Idee.
Natürlich darf man atmen. Aber zwischen einem erleichterten Ausatmen und einer demonstrativen Geräuschkulisse, weil es einem (zu) heiß ist, liegt ein Unterschied.
Kurz gesagt: Schwitzen Sie gerne leise.
3. Nackt sein ist das eine. Sich präsentieren das andere.
Natürlich sind wir in der Sauna nackt. Das gehört dazu, und daran ist überhaupt nichts auszusetzen.
Aber es gibt durchaus einen Unterschied zwischen ganz selbstverständlicher Nacktheit und dem Eindruck, jemand wolle seinen Körper möglichst ausgiebig zur Schau stellen.
Beim Saunieren, Duschen oder im Tauchbecken ist das Handtuch selbstverständlich überflüssig. Auf dem Weg zum nächsten Saunagang oder beim Herumlaufen durch die Anlage darf es dann aber gerne wieder zum Einsatz kommen.
Nicht aus Prüderie. Einfach aus Rücksicht aufeinander.
4. Ein Lächeln ist nett. Ein Gespräch nicht immer.
Natürlich darf man sich in der Sauna freundlich begegnen. Ein kurzer Blickkontakt, ein Lächeln, ein „Ist hier noch frei?“ – alles wunderbar.
Aber nicht jede Frau, die freundlich zurücklächelt, möchte deshalb auch ein Gespräch führen. Schon gar nicht nackt bei 90 Grad.
Die Sauna ist kein Networking-Event. Und erst recht kein Speed-Dating.
Wenn Sie unsicher sind: im Zweifelsfall ist Schweigen immer die bessere Wahl.
5. Der Blick. Ich denke, alle wissen, welcher Blick gemeint ist.
Natürlich schauen Menschen sich in der Sauna um. Das ist normal. Ein kurzer Blick, ein neutrales Registrieren – alles gut.
Ich persönlich komme hervorragend klar mit Blickkontakt. Oder alternativ dem Blick auf die eigenen Füße, aus dem Fenster oder wohin auch immer. Alles okay.
Aber es gibt diesen einen Blick.
Diesen langsamen Scan, als würde man gerade eine Ware prüfen.
Und genau den wünschen wir uns ganz sicher nicht.
Eigentlich ist es ganz einfach
Frauen wünschen sich keine Sonderbehandlung. Keine komplizierten Regeln. Nur ein bisschen Rücksicht.
Keine unnötige Geräuschkulisse, keine Showeinlagen, keine unangenehmen Blicke.
Dann wird aus der Holzkiste mit Hitze genau das, was sie sein soll: ein Ort, an dem sich alle wohlfühlen können.
Und noch eine ganz andere Perspektive auf das Thema: Ursel erzählt in ihrem Beitrag Frau, Ü60 und selbstbewusst in die Sauna? von einer außergewöhnlichen Begegnung, die ihren Blick auf den eigenen Körper und das Älterwerden verändert hat. Eine Geschichte, die unbedingt lesenswert ist.