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Birkenstock: Anatomie der Coolness

Birkenstock Heriaten in Birkenstocks? Warum nicht? Die Zeiten, in denen die Birkenstocks als optische Körperverletzung oder Beleidigung des guten Geschmacks verspottet wurden, sind längst vorbei. Im Gegenteil: Wer einmal auf einem Birkenstock gelaufen ist, möchte oft keinen anderen Sommerschuh mehr tragen.

Auch ich bin großer Fan der Sandale mit den zwei breiten Riemen und dem anatomisch geformten Fußbett. In den Sommermonaten trage ich kaum einen anderen Schuh als meine Birkenstock Arizona. Und weil ein bisschen Farbe bekanntlich nie schadet, besitze ich sie in Yves-Klein-Blau und Silber Metallic.

Unter uns gesagt: Auch das Modell in rotem Lackleder mit rot-weiß-kariertem Fußbett aus der Koopgeration mit Repetto wäre ganz meins. Schauen Sie doch mal hier.

Warum ich die Birkenstocks jedem anderen Sommerschuh vorziehe? Sie sind bequem, luftig und unkompliziert. Man muss sich weder bücken, um sie anzuziehen, noch mit dem Schuhanzieher hantieren: Einfach hineinschlüpfen und loslaufen. Mehr Sommerkomfort geht kaum.

Vom Gesundheitsschuh zum Fashion-Piece

Schlammbraun und Sandbeige – das waren lange Zeit die Farben, die man mit Birkenstock verband. Die Marke galt als Gesundheitsschuh für Kururlauber und Menschen, denen Bequemlichkeit wichtiger war als modischer Anspruch. Doch dieses Image begann sich spätestens ab den 1980er-Jahren grundlegend zu verändern.

Neue Farben kamen auf den Markt, auffällige Materialien und Muster hielten Einzug. Vor allem aber begann Birkenstock, sich mit der Welt der Mode zu verbinden.

Kooperationen mit Designern und Luxuslabels wie Dior, Proenza Schouler, Rick Owens, Valentino oder der Super-Geschäftsfrau Heidi Klum machten aus dem vermeintlich spießigen Gesundheitsschuh ein begehrtes Fashion-Accessoire. Metallic-Effekte, Glitzer, Muster und immer neue Interpretationen des klassischen Designs sorgten dafür, dass Birkenstock plötzlich von Menschen auf dem Weg zu einer Modenschau getragen wurde.

Kate Moss macht Birkenstock cool

Einen entscheidenden Moment in der Fashion-Geschichte von Birkenstock gab es 1990. Das britische Modemagazin „The Face“ veröffentlichte eine Fotostrecke mit Kate Moss. Das Model trug lediglich ein Sweatshirt, ein Bikini-Höschen und weiße Birkenstocks.

Großes Glück für die Firma Birkenstock: Was zuvor als biedere Gesundheitslatsche galt, stand plötzlich für eine neue Form von müheloser Coolness: lässig, unangepasst und sexy.

Der Birkenstock-Boom ist längst global

Seitdem floriert das Geschäft mit Birkenstocks weltweit. Die Marke hat sich vom deutschen Traditionsunternehmen zum internationalen Lifestyle- und Fashion-Label entwickelt. Das Unternehmen produziert inzwischen rund 30 Millionen Paar Schuhe pro Jahr. Und das Potenzial der mehr als 250 Jahre alten Marke scheint auch den Eigentümern noch lange nicht ausgeschöpft.

Für Schlagzeilen sorgte 2023 der Einstieg des Private-Equity-Unternehmens L Catterton, das unter anderem von LVMH-Chef Bernard Arnault unterstützt wird. Auch die von Arnaults Familie geführte Investmentgesellschaft Financière Agache erwarb einen Anteil an Birkenstock.

Die Erben Christian und Alexander Birkenstock, die weiterhin am Unternehmen beteiligt sind, sollen bei den Transaktionen rund vier Milliarden Euro eingenommen haben. Offiziell wurden die finanziellen Details nicht vollständig veröffentlicht.

250 Jahre Fußbett statt Modetrend

Konrad Birkenstock konnte all das nicht vorhersehen, als er 1896 in seiner Frankfurter Schusterwerkstatt an einer Neuheit tüftelte. Birkenstock entstammte einer traditionsreichen Schuhmacherfamilie, deren Wurzeln bis ins Jahr 1774 zurückreichen. Wie seine Vorfahren fertigte er zunächst geschlossene Schuhe.

Doch statt der damals üblichen flachen Einlagen entwickelte er ein gewölbtes Fußbett, das sich an der natürlichen Form des Fußes orientierte. Seine Vision war der „vollplastische Maßschuh“: ein Schuh, der den Fuß stärken und seine natürliche Bewegung unterstützen sollte.

Konrad Birkenstock war nicht nur Schuhmacher, sondern auch ein überzeugter Unternehmer und Botschafter seiner Idee. Er warb in Deutschland und Österreich für sein Fußbett und hielt Vorträge darüber.

Mit der fortschreitenden Industrialisierung veränderten sich auch die Produktionsmöglichkeiten. Die Geschäftstüchtigkeit seines Sohnes Conrad und später seines Enkels Conrad junior trugen dazu bei, dass das Birkenstock-Fußbett im frühen 20. Jahrhundert zum kommerziellen Erfolg wurde und schließlich als Mittel gegen Fußbeschwerden Anerkennung fand.

Ironischerweise ist es heute ausgerechnet das einstige Hässlichkeitsetikett, das zum Erfolg von Birkenstock beiträgt.

„Ugly Shoes“ gehören seit Jahren zu den großen Fashion-Trends. Schuhe müssen nicht mehr filigran, elegant oder klassisch feminin aussehen. Im Gegenteil: Je klobiger, eigenwilliger und vermeintlich unvorteilhafter die Silhouette, desto spannender kann sie wirken.

Designer haben den sogenannten Ugly-Shoe-Trend längst für sich entdeckt. Eine der Ersten, die sich mit der Ästhetik des vermeintlich Hässlichen anfreundete, war Phoebe Philo, die ehemalige Chefdesignerin von Céline.

2012 präsentierte sie die sogenannten „Furkenstocks“ – Birkenstock-inspirierte Sandalen mit einer mit Pelz gefütterten Sohle. Die ungewöhnlichen Schuhe wurden zum Erfolg und lenkten erneut die Aufmerksamkeit auf das Original.

Birkenstock beweist damit etwas, das in der Mode leider noch immer selten ist: Komfort und Coolness schließen sich nicht aus. Und ganz ehrlich: Wenn ein Schuh bequem ist, gut aussieht und uns gut durch den Sommer bringt – warum sollte man ihn nicht tragen?

 

Jeder Jeck ist ja bekanntlich anders und so gibts bei uns im Blog ganz unterschiedliche Meinungen zum Schuhthema. Hier gehts zu einem Artikel von Cerstin über Schuhe für rote Teppiche und Hochzeiten: https://stylerebelles.com/malone-souliers-schuhe-fuer-hochzeiten-und-rote-teppiche/

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