Manche Reisen plant man bis ins letzte Detail. Andere lässt man einfach geschehen, wie ich zum Beispiel in beim Sommer in Frankreich. Früher war ich vor allem Fan der ersten Variante, aber mit dem Alter – darf ich das mal einmal so sagen – ist mir die Zweite auch sehr lieb. Paris als Auftakt und Finale, und dem eigentlichen Herzstück dazwischen: einer Woche in La Rochelle, die ich am liebsten sofort wiederholen würde.

Paris: Ankommen, flanieren, nichts planen
Ich liebe es ja sowieso, in Paris keinen Plan zu haben. Kein Museum, das unbedingt heute noch drankommen muss, keine Liste mit Sehenswürdigkeiten, die abgehakt werden will. Stattdessen: einfach losgehen. Wenn man eine Stadt schon gut kenn wird es irgendwann eigentich so. Man ist in gewisser Weise kein Tourist mehr, lässt sich von einer Straße in die nächste treiben, mal links, mal rechts, ganz ohne Ziel.

Irgendwann, meistens genau dann, wenn die Füße langsam müde werden, stolpert man über ein kleines Café oder eine Weinbar, die einen einfach anzieht. Man setzt sich draußen hin, bestellt einen Kaffe oder ein Glas Wein mit Käse, und schaut einfach dem Leben auf der Straße zu. Menschen, die vorbeieilen, andere, die genauso entspannt in der Sonne sitzen wie man selbst. Es gibt für mich kaum etwas Schöneres als dieses Nichtstun mitten im Trubel von Paris. Genau so beginnt mein Sommer in Frankreich am liebsten – und genau so soll er später auch wieder enden.

Mit dem Zug an die Atlantikküste
Von Paris aus geht es mit dem Zug weiter Richtung Westen, an die Atlantikküste, nach La Rochelle. Die Zugfahrt selbst ist schon ein kleines Vergnügen: man lehnt sich zurück, sieht die Landschaft vorbeiziehen und merkt förmlich, wie der Pariser Trubel langsam einem ruhigeren Rhythmus weicht.
Kaum angekommen, ging es am ersten Abend gleich ins Restaurant Nouche ein wunderbarer Einstieg in die kulinarische Seite von La Rochelle und der perfekte Beweis dafür, dass diese Stadt kulinarisch einiges zu bieten hat.

Übernachten und frühstücken wie ein Local
In La Rochelle habe ich im bezaubernden Un Hôtel en Ville übernachtet, einem kleinen Boutique-Hotel mitten in der Altstadt, nur wenige Schritte vom Vieux Port entfernt. Genau die Art von Unterkunft, die ich liebe: persönlich, charmant, ohne unnötigen Schnickschnack. Die kleine Dachterasse ist ein wunderbarer Ort mit kleiner Vogelperspektive.

Mein neues Lieblingscafé um die Ecke wurde schnell L’Échoppe, wo ich morgens für ein Frühstück vorbeischaute, bevor der Tag richtig losging. Ein Kaffee, etwas Frisches zum Frühstück, und schon war der Ton für den Tag gesetzt.
Austern und noch mehr Austern
La Rochelles historische Altstadt lädt regelrecht zum Flanieren ein: die alten Arkaden, die schmalen Gassen, der Blick auf die berühmten Türme am Hafen. Aber seien wir ehrlich: der eigentliche Star dieser Reise waren die Austern. Austern zum Mittag, Austern am Nachmittag, Austern zum Abendessen. Diese Region ist bekannt für ihre Austernzucht, und ich habe das ausgiebig genossen. Tag für Tag, direkt am Meer, mit einem Glas Weißwein dazu.

Apropos Meer: fast jeden Tag stand für mich Strand und Meer auf dem Programm. Die Lage am Atlantik ist schließlich das Plus von La Rochelle – man ist in wenigen Minuten am Wasser, und die frische Meeresluft tut einfach gut.
Und wenn die Sonne dann so richtig scheint, führt kein Weg an Tonton Maboule am Quai Valin vorbei. Das Eis dort ist schlicht unglaublich lecker. Eine Kugel (oder auch zwei) am Kai, mit Blick aufs Wasser, gehörte für mich schnell zum festen Ritual des Tages.
Markttag und herzhafte Crêpes
Ein Highlight war definitiv der Besuch auf dem lokalen Markt: bunte Stände, frisches Gemüse, Käse, Fisch und natürlich noch mehr Austern. Danach ging es direkt weiter zu Mamie Bigoude, wo es die besten herzhaften Crêpes gibt, die ich seit Langem gegessen habe. Genau das richtige Mittagessen nach einem Vormittag auf dem Markt.

Abende zum Genießen
Für die Abende hatte ich mir andere Restaurants ausgesucht. Darunter das Restaurant Annette, ein herrlicher Ort, um den Tag bei gutem Essen ausklingen zu lassen. Tagsüber, wenn ich einen richtig guten Kaffee brauchte, führte mich mein Weg immer wieder zum Alcôve Coffee Shop, der auch schnell zu einer festen Anlaufstelle wurde.
Ein weiterer fester Programmpunkt war schnell Le Merluberlu, wo es Fisch und ein Glas Crémant mit Sitzplatz direkt am Hafen gibt. Dort mit Blick auf die Boote zu sitzen, während langsam die Sonne über dem Wasser verschwindet, gehörte zu meinen liebsten Momenten des ganzen Aufenthalts.

Für den letzten Abend in La Rochelle habe ich mir etwas ganz Besonderes aufgehoben: Austern im Restaurant Les Flots direkt am Hafen gelegen. Der Blick aufs Meer, das letzte Glas Wein, die letzten Austern dieser Reise – ein perfekter Abschluss.

Zurück nach Paris
Und dann, nach dieser Woche voller Salzluft, Austern und Ruhe, ging es mit dem Zug zurück nach Paris. Auch dort wieder: kein Plan, einfach flanieren, irgendwann eine Weinbar, ein Glas Wein, ein Stück Käse – und der Blick auf die Stadt, die niemals stillzustehen scheint.
Für den letzten Abend hatte ich mir dann noch etwas Besonderes aufgehoben: einen Tisch im Restaurant HABILE. Ein würdiger, stilvoller Abschluss für eine Reise, die mit genau diesem Gefühl begonnen hatte – Paris, ein gutes Glas Wein, und die Straße, die einfach an einem vorbeizieht.
