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Warum der Kauf eines Outfits von atelier D der beste Therapeut ist

Suncana DulicEin Studio mit zwei großen Schaufenstern, an den Wänden wird Kunst präsentiert, auf Kleiderpuppen Mode. Im rechten, hinteren Teil des Raums befindet sich eine Nähwerkstatt. Wo wir sind? In Suncana Dulics Kleidergalerie „atelier D“ in Bielefeld. Suncana geht es wie allen Selbstständigen und Künstlern während der Pandemie. Der Lockdown war für sie eine Vollbremsung. Jetzt fährt sie den Betrieb wieder hoch, entwickelt eine neue Kollektion und bewirbt ihre Arbeit mit einem von dem Künstler Gernot Kaspersetz produzierten Film.

1. Liebe Suncana, warum ist der Kauf eines Outfits von Dir in diesen wilden Zeiten der beste Therapeut?
Ein Kleidungsstück ist Teil einer ganz großen Idee der Kollektion, und als Trägerin bekommt man die Starrolle in dieser Welt. Jedes Teil von mir ist in Bielefeld hergestellt und existiert entweder nur in ganz kleiner Auflage oder ist sogar ein Unikat.

2. Wie hast Du Deine Liebe zur Mode entdeckt?
Sie war immer da. Seit ich denken kann, habe ich Modedesigner werden wollen. Schon als kleines Kind habe ich mir vorm Spiegel mit Stoffen und Sicherheitsnadeln Kleider an meinen Körper drapiert. Das konnte ich stundenlang machen, es wurde mir nie langweilig. Meine ersten Nähversuche mit der Hand waren die Kleider für meine Barbiepuppe. Das fand ich viel interessanter als die ganzen anderen Spiele. Für meine Freunde war ich dadurch ein bisschen anstrengend. Ich wollte immer diese Kleider nähen, ich wollte gar nicht wirklich mit ihnen spielen. Zu meiner ersten Nähmaschine bin ich relativ spät gekommen, mit 16. Es war die einfachste, billigste Singer Nähmaschine. Singer musste es irgendwie sein.

3. Gab es eine berufliche Alternative für Dich?
Biologin oder Architektin. Mein Großvater war in der Heimat meiner Eltern ein bekannter Architekt. Er war eine Art Vorbild für mich. Ein Vetter von mir studierte Architektur, und ich überlegte, das auch zu machen. Aber dann merkte ich, es ist mir zu weit weg vom Menschen. Ich habe Mode immer architektural gesehen. Im Studium hat mich Schnittkunst am meisten interessiert. Für mich sind Kleider wie kleine Gebäude, in denen der Mensch wohnt.sd6

4. Was bedeutet Dir Kleidung?
Ich habe Kleidung immer mit Würde verbunden. Als junges Mädchen, als alle meinten, sexy herumlaufen zu müssen, habe ich das Gegenteil gemacht. Ich trug Männerklamotten, kurze Haare, Brille, und ich war der Schwarm. Ich wurde ganz anders behandelt, viel ernster genommen. Was man bei mir heute immer sieht, sind weite Hosen. Ich habe immer ein Sakko griffbereit. Man sieht mich nicht in bunten, schrillen Sachen.

5. Welche Rolle spielt Weiblichkeit in Deiner Kleidung?
Das Spiel mit der Weiblichkeit ist eine ganz knifflige Nummer. Es muss ein Spiel sein zwischen Betonen und Nicht-Betonen. Je weniger eine Frau zeigt, desto mehr betont sie, was sie zeigt. Viele Frauen trauen sich das nicht zu. Sie denken, man müsse sich schmücken. Doch man muss aufpassen, dass man sich nicht dekoriert. Eine Frau ist kein Weihnachtsbaum.

6. An welchen Designern orientierst Du Dich?
Yamamoto ist mein großer Held. Meine Mode ist sehr Japan-affin.

7. Wie verlief Dein Berufseinstieg?
Schon während des Studiums habe ich als Designerin in einer Modefirma gearbeitet. Um meine eigene Fitness aufrecht zu erhalten und keinen Schneiderbuckel zu bekommen, habe ich zeitgenössisches Tanztraining gemacht. Reiner Sport hätte mich nicht interessiert, ich wollte etwas Gestalterisches machen. Mein Lehrer hat angefangen, Stücke zu entwickeln, für die ich die Kostüme entworfen habe. Nach dem Studium habe ich 13 Jahre als Kostümdesignerin gearbeitet. Es hatte den Vorteil, dass ich damit komplett ortsunabhängig war und mit meinem Mann, einem Wissenschaftler, ins Ausland gehen konnte. Ich habe in Marseille, Heidelberg, Paris und London gelebt und dort große Tanzproduktionen und Theaterprojekte gemacht. 2011 bin ich nach Bielefeld gekommen und habe meinen Laden eröffnet.sd1

8. Was hast Du durch die Selbstständigkeit gelernt?
Dass man nicht nervös werden muss, wenn mal zwei Tage lang keiner in den Laden kommt. Das hier ist kein Bäcker.

Und hier gehts zu zwei Ausschnitten aus dem sehenswerten Film:

Hier stellt sich die Designerin selbst vor:

Credits: Produktion: Gernot Kaspersetz, Bilder: Gernot Kaspersetz und DAniel Adriaans, Musik: Gernot Kaspersetz; Models: Kathrin Borch und Marlene Adriaans.

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