Es ist die hohe Schule – mein Leben mit grauen Haaren. Ich hoffe, ich bin jetzt reif dafür. Die Jahre, in denen ich mit allen möglichen Colorations-Techniken gegen den natürlichen Farbwechsel in meinem Haar ankämpfte, sind seit Anfang des neuen Jahres vorbei. Vorausgegangen ist eine lange Zeit, in der ich an mir und anderen älteren Frauen den Kontrast zwischen zunehmend pergamentblasser Haut und dunkel gefärbten Haaren beobachtet habe. Natürlich habe ich mich auch mit Freundinnen beraten. Ihre Meinungen reichen von „Tu es nicht, denn du wirst auf den Schlag um 10 Jahre älter aussehen.“ bis zu „Solltest du den Mut aufbringen, hättest du meine Bewunderung.“
Mein Leben mit grauen Haaren und eine 1. Erkenntnis
Wer einmal anfängt, seine Haare färben zu lassen, sitzt bald in der Falle. Die Ansätze müssen eigentlich alle 2 Wochen, spätestens alle 4 Wochen nachgefärbt werden. Den Aufwand scheue ich nicht, aber die Chemie, denn ich werde gesundheitsbewusster. Vor allem aber bin ich es leid, so auszusehen, als strebte ich nach einer 10 Jahren jüngeren Version von mir selbst. Stattdessen möchte ich ab jetzt lieber aussehen wie ich selbst.
Ältere Frauen mit dunkel gefärbten Haaren – ein seltsamer und insbesondere unter Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, verbreiteter Anachronismus. Selbst die Kanzlerin färbt, Iris Berben sowieso, und sogar Jutta Speidel, die sonst nichts an sich machen lässt. Manche ehemals Dunkelhaarigen werden im Alter blond, siehe Uschi Glas. Zeitschriften für Frauen über 40 gerieren sich gern als Vorreiter in Sachen „Graue Haare sind sexy.“, aber immer nur halbherzig. Sie zeigen graue Haare an hochattraktiven Models, deren Gesichter entlarven, dass sie wahrscheinlich nicht älter sind als 32. Immer mit feurigen Kulleraugen, gebräunter und glatter Haut, seidig-langem Haar, herrlich meliert in Grau-Schwarz. Weibliche George Clooneys sozusagen. Pionierinnen in Sachen „Grau“ kennt man eher unter Künstlerinnen. Die Autorin Joan Didion gehört dazu.
Joan Didion zeigt, wie das Leben mit grauen Haaren geht
Sie trägt grau, aber mit Allure. Ihre Autorenfotos zeigen eine Dame mit gelber Corvette, Zigarette, bodenlangem Kleid und großer Sonnenbrille. Ihr Beispiel verdeutlicht: Wer sich als ältere Frau für seine natürliche Haarfarbe entscheidet, braucht den richtigen Lippenstift, ausgefallene Accessoires und einen guten Friseur. Mein Haarengel heißt Christine, und Christine kann es. Um das natürliche Grau meiner Haare herauswachsen zu lassen, hat sie mir in einem ersten Schritt ultrafeine, blonde Strähnchen gezogen und mir als Schnitt einen exakten Bob angedeihen lassen. In puncto Lippenstift probiere ich noch. Als Abendlektüre wähle ich neuerdings den geriatrisch motivierten, moralischen Unterbau. Ich fand ihn zum Beispiel in einem Büchlein von Christian Dior. „Gefärbtes Haar mag ich nicht. … Falls Sie früh ergrauen, werden Sie mit Ihren grauen Haaren eleganter und jünger aussehen als mit gefärbtem. Ab einem gewissen Alter können gefärbte Haare ohnehin niemanden mehr täuschen.“
Und so gehts weiter: Mein Leben mit grauen Haaren. Ein Selbstversuch (2)
„Ältere Frauen mit dunkel gefärbten Haaren – ein seltsamer und insbesondere unter Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, verbreiteter Anachronismus.“
Es wäre so schön, wenn Frauen aufhören würden, andere Frauen ubd ihre Entscheidungen herablassend oder überhaupt zu beurteilen, nur weil sie selbst jetzt ganz dolle was Neues machen… (und im Fall von „ich lass jetzt grau“ dabei selbst einem Hype folgen). Echt schade und unnötig.
ich spiele schon länger mit dem Gedanken. Durch eine Kopfhautentzündung mit starkem Juckreiz über viele Wochen, wurde ein Anfang gemacht. Keine Chemie auf dem Kopf. Nach 10 Wochen war schon viel grau eher weiß rausgewachsen.
ich hatte letzte Woche eine Krise ich könnte mich so weiß nicht sehen. habe eine Freundin und mein Tochter gefragt, was sie dazu sagt. Ausreichende Antworten.
jetzt frag ich Niemanden mehr. habe mir Hellbraune feine strähnen machen lassen
das gefällt mir gut. ich will mich daran gewöhnen.
Autor
Liebe Doris,
danke für Deine Offenheit, die bestimmt allen Frauen hilft, die den Weg zum natürlichen Grau gehen. Er erfordert ja auch wirklich viel Mut. Ich weiß genau, wie sich solche Krisen anfühlen und bis heute ist mir klar, dass ich ohne die Pandemie und die damit verbundene Isolierung den Weg nicht geschafft hätte. Deine Idee, Dir Strähnchen färben zu lassen, ist doch super! Ich drücke Dir alle Daumen, dass es nun gut weiter geht auf Deinem Weg zur natürlichen Haarfarbe und schicke Dir herzliche Grüße.