
Ein wunderschönes Wochenende geht zu Ende, Ursel ist gerade abgefahren, ich habe noch ein paar Minuten Zeit am Bahnhof. Wie immer gehe ich in den Zeitschriftenladen und schaue mir an, was es Neues auf dem Zeitschriftenmarkt gibt. Die einschlägige Fachliteratur nennt Ursel das.
Ich entdecke eine neue Zeitschrift, Sara, Zielgruppe eindeutig Frauen über 50 wie ich.
Warum müssen Frauenzeitschriften eigentlich immer Frauennamen als Titel haben? Sara. Und dann auch noch ohne „h“, denke ich. Kaufe sie aber natürlich trotzdem. „Reifer. Wilder. Wunderbar.“, steht auf der Rückseite der Titelseite. Gefällt mir. Auch die Titel der Artikel hören sich interessant an.
Im Zug blättere ich die Zeitschrift, von der ich die zweite Ausgabe in den Händen halte, durch und bleibe bei „Tolle Kurven. Lauter echte Strandkörper“ hängen. Fotos von Frauen im Bikini, im Badeanzug, ohne dass jemand vorher Photoshop hat drüberlaufen lassen (man sieht es, man sieht es immer, egal wie gut es gemacht wird). Dazu O-Töne der Frauen selbst über ihr Verhältnis zu ihrem Körper — kluge Selbstbeobachtungen, wenig dramatisch formuliert. Kein „Ich liebe jede Falte an mir“, sondern eher ein: so ist das jetzt, und es ist okay, und eigentlich ist es sogar mehr als okay. Sechs Frauen zwischen 46 und 61, die zu sich und ihren Körpern stehen. Respekt, denke ich, und frage mich, was es mich kosten würde, im Bikini in einer Frauenzeitschrift abgedruckt zu werden.
Dann „Ich will das nicht, ich will es nicht “ — ein wunderbar selbstironischer Text von einer Frau namens Ellen über die Wechseljahre, ohne das übliche „Gejammer“, aber auch ohne pathetisches „die Chance in der Veränderung sehen“. Kein Ratgeberton, keine Hormonliste, keine zehn Tipps gegen Hitzewallungen. Nur eine Frau, die von diesem Thema genervt ist und sagt, wie sie es erlebt.
Und genau das ist es, was mich an „Sara“ am meisten überzeugt, auch über diese beiden Artikel hinaus.
Da schreiben echte Frauen für echte Frauen, Ü40, Ü50, Ü60, mit allem, was dazugehört — kein Team von 28-Jährigen, das sich in unsere Lebensrealität hineindenkt, sondern Frauen, die selbst mittendrin stecken. Genau das versuchen oder tun wir hier bei styleREBELLES ja auch seit Jahren, jede von uns auf ihre Weise, aus drei verschiedenen Jahrzehnten heraus.
Sara ist der deutsche Ableger des niederländischen Magazins Saar, das dort schon seit 2016 existiert und sich in den letzten Jahren zu einer richtig erfolgreichen Marke entwickelt hat — mit Heft, Podcast und einer Leserschaft, die offenbar treuer ist als bei den meisten etablierten Frauenzeitschriften.
Gegründet hat das Ganze Barbara van Erp, die auch bei Sara als Chefredakteurin firmiert, die redaktionelle Leitung in Deutschland liegt bei der freien Journalistin Nadja Bossmann.
Produziert wird teils in Amsterdam, teils in Berlin, ein kleines Team, kein großer deutscher Verlag im Rücken — was dem Heft vielleicht diese Unabhängigkeit gibt, die man beim Lesen spürt.
Die erste deutsche Ausgabe, die ich hier in den Händen halte, erschien am 7. Mai 2026. Die Zielgruppe sind Frauen um die oder über 50 — genau die Zielgruppe, die laut Verlag zwar hoch kaufkräftig und loyal ist, aber von Medien und Werbewirtschaft trotzdem gern übersehen wird.
Interessant übrigens auch: Es gibt keine Anzeigen im Heft. Das steht explizit gleich auf den ersten Seiten, und erklärt vermutlich auch, warum sich die Artikel so wenig nach Kompromiss lesen und warum so wenig Beautyartikel drin sind (die in den meisten anderen Fällen als Goodie für die Anzeigenkunden mitlaufen, ob man’s glaubt oder nicht).
Normalerweise finanziert sich eine Frauenzeitschrift zu einem guten Teil über genau diese Beautywerbung, und als eine Art Dankeschön dafür gibt es dann auch die passenden redaktionellen Texte dazu — die neue Anti-Aging-Creme wird besprochen, das Serum bekommt seine Seite, die Marke ihre Erwähnung im Text, alles schön verwoben, damit es nicht nach Anzeige aussieht, aber natürlich trotzdem eine ist.
Bei Sara fällt das komplett weg. Kein Serum, das zufällig genau dann Thema wird, wenn der entsprechende Konzern gerade eine Kampagne bucht.
Die Zeitschrift kostet 7,50 Euro, nicht gerade billig. Trotzdem eine Kaufempfehlung von mir, ganz klar. Nicht weil ich hier zufällig meine eigene Haltung gespiegelt finde, sondern weil selten ein Magazin für uns so klingt, wie wir tatsächlich klingen — reifer, wilder, und ja, manchmal auch einfach nur wunderbar genervt.
Weitere Zeitschriftenempfehlungen? Baby got business, Strive, ü50 Frauen und Finanzen
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Weitere Informationen und ein preview als PDF der ersten Ausgabe gibt es hier: https://saramagazin.de/