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Starke Frauen: Isabelle Eberhardt

Starke Frauen: Isabelle EberhardtTanja hat am Montag davon erzählt, dass sie Ablenkung und Ruhe in der Natur findet. Bei mir stelle ich fest, dass der Grad zwischen unserem Wunsch, hier ankommenden ukrainischen Frauen und Kindern zu helfen und unserer Verzweiflung über ihr Schicksal sehr schmal ist. Da tut es gut, sich an Frauen zu orientieren, die in komplizierten Zeiten mit Mut und Zuversicht durchs Leben gehen oder gingen. Zu ihnen gehört die Schweizerin Isabelle Eberhardt.

Isabelle Eberhardts Biografie wirkt wie erfunden

Ihre Geschichte beginnt 1877 in Genf. Ihre Eltern sind in die Schweiz geflohene russische Emigranten. Die Perspektive einer jungen Frau aus einer großbürgerlichen russischen Familie heißt um 1900: Heirat und Unterordnung. Diese Vorstellung ist für Isabelle Eberhardt ein Graus. Schon als Kind spricht sie, die nicht zur Schule geht, sondern von ihrem Vater zu Hause unterrichtet wird, zahlreiche Sprachen und liest den Koran im Original. Isabelle flüchtet sich in die Welt der Bücher. Im Schatten einer hohen Tanne liest sie orientalische Romane und Sachbücher über Nordafrika. Sie lernt Arabisch, träumt von Sultanen, Harems und türkischen Bädern. Mit 17 Jahren bucht sie eine Schiffsreise für sich und ihre Mutter nach Algier. Die Stadt ist ein Traum. Sie liebt die engen, malerischen Gassen, den Duft der Feigen und Orangen, die blaue, samtige Nacht. Sie tritt zum Islam über. Als ihre Mutter nach einigen Monaten stirbt, wirft sich die trauernde junge Frau einen Burnus über – das lange, formlose Gewand arabischer Männer, und verbirgt ihr kurzgeschnittenes Haar unter einem weißen Tuch.

Von nun an legt sie sich eine zweite, eine männliche Identität zu, nennt sie sich Sid Mahmoud und führt ein freies Leben als Nomade

Ab jetzt führt sie ein Nomadenleben. Sie nennt sich Si Mahmoud, trägt Burnus und Reitstiefel, verkehrt in Bars und Bordellen und reitet furchtlos und abenteuerhungrig auf ihrem Araberhengst allein durch die Wüsten Algeriens, Marokkos und Tunesiens. Sie kommt in Gebiete, die nie zuvor ein Europäer oder eine Europäerin besucht hat und sieht vielleicht mehr von der Welt als viele von uns. Die unendliche Weite inspiriert sie, sie hofft auf eine literarische Karriere und schreibt viel. Ihre Erlebnisse hält sie in Romanen, Erzählungen und Reiseberichten fest, die von Farbigkeit und Sinnlichkeit erfüllt sind. Sie trinkt viel, raucht Haschisch und heiratet einen algerischen Offizier. Für eine Frau sehr ungewöhnlich: Als Kriegsreporterin berichtet sie für französische Zeitungen von der Rebellion der Algerier gegen die französischen Kolonialherren.

Am 21. Oktober 1904 geschieht die Katastrophe

Im Herbst 1904 mietet sie sich eine kleine Hütte in einem ausgetrockneten Flussbett des Wadi Sefra, Ein plötzliches tropische Gewitter erfasst die Gegend, in der sie sich aufhält. Ihre Lehmhütte  wird überflutet. Sie könnte sich retten, will aber ihre Aufzeichnungen nicht zurücklassen. Verzweifelt sucht sie in den Schlammströmen nach ihnen, wird schließlich mitgerissen und kommt auf absurde und tragische Weise mit nur 27 Jahren ums Leben: Sie ertrinkt in der Wüste. Erst sechs Tage später wird ihr Leichnam gefunden.

Erst Jahrzehnte nach ihrem Tod erschienen ihre zahlreichen Tagebücher, die jedoch kaum zur Kenntnis genommen werden. Erst die Frauenbewegung der 80er Jahre macht Isabelle Eberhardt einem breiteren Publikum bekannt.

Was Isabelle Eberhardts kurzes, unkonventionelles Leben zeigt:

Obwohl sie in politisch unruhigen Zeiten lebte, hatte sie große Träume und verwirklichte sie. Angst oder Kleinmut waren für sie keine Option.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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