Modeaffin, meinungsstark, mutig – ein Ü40 Blog über Mode, Beauty, Lifestyle und Reisen für Frauen über 40, 50 und 60

Über 250 Tage

Bald können wir alle wieder unsere Adventskalender aufstellen. Jedenfalls ist das eine Tradition, die ich überall hin mitgenommen habe. Vielleicht auch deshalb, weil es für mich irgendwie immer der Countdown nach Bielefeld war – normalerweise bin ich an Weihnachten bei meinen Eltern. 24 Tage. 24 Türchen. Aber im Moment geistert mir vor allem eine ander Zahl im Kopf herum: über 250. Mittlerweile ist es nämlich so lange her, dass ich jemanden umarmt oder die Hand gegeben habe. Mit dieser Erfahrung bin ich natürlich nicht allein. Tausende Menschen sind, wie ich, sozusagen „Kevin – Allein zu Haus“. Immerhin müssen wir das Haus nicht vor Einbrechern sichern.

Alleine – mit „bubble“

Mir geht es hier nicht um die Schwermütigkeit, die schon manchmal mit dem alleine sein einhergeht. Ganz im Gegenteil. Aber ich wollte einmal darüber schreiben, weil es mich ärgert, dass so wenig über diese Situation gesprochen wird – obwohl sich so viele in ihr befinden. Ich habs dabei noch ziemlich gut, denn immerhin lebe ich hier in Edinburgh in einer sogenannten „bubble“: sozusagen ein erweiterter Haushalt. Darum darf ich trotzdem noch zwei andere Personen zuhause treffen, eben die in meiner „bubble“. Aber eine Umarmung gibts auch da nicht.

Manche werden sagen: was ein Blödsinn, warum denn nicht umarmen? Na ist doch klar: ich will den Scheiss doch nicht weitergeben und auch in der „bubble“ sind wir vorsichtig. In dem Sinne stehe ich völlig hinter dieser Situation: ich finde es richtig, Kontakte möglichst sicher zu gestalten. Aber ich weiss, nicht zuletzt, weil man es auf sozialen Medien immer öfter lesen kann, dass das nicht für alle so ist. Gerade viele ältere Menschen haben wenig Kontakt und auch keine „bubble“.

Vielleicht freue ich mich auch aufgrund dieser Situation oft ganz ungemein über total banale Dinge. Über jedes noch so kleine Zeichen von Normalität. Letzte Woche zum Beispiel war ich beim Zahnarzt und selbst darüber habe ich mich gefreut.

Tanja Stylerebelles Fashion Tatty Devine Ü40 Blog

Und wie geht das nun so mit dem zumeist alleine sein? Man muss sich öfter mal ablenken, finde ich. Und so mache ich nach Möglichkeit jeden Tag einen langen Spaziergang. Ich nehme neuerdings auch oft meine Kamera mit – Fotos machen hat mir schon immer Spass gemacht. Und natürlich schreibe ich für den Blog. So vergeht die Zeit. Irgendwie schnell – aber irgendwie auch langsam. Diese Jahr finde ich, was das angeht, ganz seltsam.

Meine Frage ist nun: wie viele Tage kommen noch, die man so verbringen muss? Nochmal 250 Tage? Dann wären wir bei meinem Geburtstag im nächsten Jahr. Ich bin gespannt – und hoffe aufs Beste für uns alle.

Sie möchten diesen Artikel teilen?

2 Kommentare

  1. Susa Berg
    23/11/2020 / 16:23

    Liebe Tanja,
    ich denke oft, wie es denn alleinlebenden Menschen so geht, ganz ohne Berührungen. Das ist bestimmt überhaupt nicht einfach. Wenn Du Dich schon auf den Zahnarzttermin freust…
    Seltsame Zeiten, aber ich sehe einen Silberstreif… der Impfstoff wird uns alle absehbar aus dieser Isolation befreien. Geduld, Geduld!
    Fühl‘ Dich umarmt,
    von Susa aus Köln

  2. Tanja
    Autor
    24/11/2020 / 16:53

    Liebe Susa,
    wie nett – darüber habe ich mich sehr gefreut. Einfach ist es nicht immer, aber ich habe wenigstens meine „bubble“ und gute Freunde. Sorgen mache ich mir um die Menschen, die alleine sind und sowas nicht haben. Aber ja, den Silbestreif sehe ich auch und ich bin positiv. Lieben Dank nochmal, Tanja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.