Stylerebelles - Drei Bloggerinnen aus drei Dekaden

Auf dem Sofa auf Reisen gehen

Reisen steht weit oben auf der Liste der Dinge, die ich liebend gerne tue. Es muss nicht unbedingt immer in die Ferne gehen, aber etwas unternehmen und andere Orte kennenlernen sind eine Passion. So muss ich zugeben, dass es mir aus dieser Perspektive schwer fällt, im „lockdown“ – so nennen wir es hier in Großbritannien – zu leben. Natürlich ist dieses Gefühl im Moment ganz unwichtig, aber ich wollte mir doch zumindest einen Teil der Reisepassion erhalten; auch deshalb, weil ich jetzt eigentlich gerade in Hong Kong und Neuseeland unterwegs sein sollte. Und so gehe ich stattdessen eben einfach auf dem Sofa auf Reisen.

Vom Reisetagebuch bis zur Biografie

Das habe ich schon immer gerne gemacht, habe viele Reisetagebücher und Biografien von Reisenden im Bücherschrank. Ein Favorit unter ihnen ist Colin Thubron, ein bekannter Britischer Autor von Reiseliteratur. Zum einen mag ich Thubron, weil er mich in viele Länder bringt, in denen ich noch nie war – vom Mittleren Osten bis nach Tibet. Sein Schreibstil gefällt mir allerdings auch sehr, denn er sorgt dafür, dass man sich fast mit im Geschehen dabei fühlt. Als in Nepal das Yak vorm Zelt stand habe ich vor Schreck fast einen Satz vom Sofa gemacht. Zum Glück habe ich ja eine Reiseunfallversicherung ….

Mir gefällt es, auf dem Sofa in ungewohnten Situationen zu sein. Dinge zu erleben, die ich selbst wohl niemals machen würde. Auf Deutsch sagt man ja auch: Reiseabenteur. Und natürlich weiss man es nie genau, denn hier geht es ja auch im Inspiration – vielleicht also doch auch mal so ein Yak vorm Zelt.

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Reiseabenteur und erweiterte Horizonte

Abenteuer gibt es auch mit historischer Perspektive. Ob auf kolonialen Pfaden wandelnd oder auf der Suche nach historischen Stätten, so lässt sich auch immer viel erleben. Nicht immer ist das schön, wie Tim Butcher’s Buch „Blood River“ belegt (mal am Rande: wer hier den Untertitel übersetzt hat sollte nochmal üben, mit dem Original hat die Deutsche Version nichts zu tun).

Oder vielleicht per Pedes oder im Zug? Das Transportmittel gibt oft auch ganz andere Sichtweisen auf Länder und Leben. Ich erinnere mich gut an eine Stelle aus Rob Lilwall’s Buch „Cycling Home from Siberia“: in den ärmsten Ländern war der Empfang herzlich und warm – zurück in der „ersten Welt“ kamen Kälte und Zurückhaltung. Warum können wir nicht auch herzlich und warm? Immerhin geht im Moment wohl auch das, aber vielleicht jetzt einfach immer! Was man sieht: Reisen erweitert den Horizont – auch auf dem Sofa. Und apropos Horizont: last euch nicht vom Titel und den Fokus auf kulinarische Abenteuer abschrecken, denn Fuchsia Dunlop’s Buch „Shark’s Fin and Sichuan Pepper“ hat meinen sehr erweitert. Vieles fand ich absurd, einiges regelrecht ekelhaft, aber mir fiel es nach dem lesen viel einfacher, mich in China zurechtzufinden. Verstehen lernen kann man hier – was nicht automatisch heisst, dass man bestimmten Dingen zustimmt.

So oder so, und egal ob über den Kochtopf oder den Weg auf einen Berg, ich hoffe ihr geht auch ein wenig auf dem Sofa auf Reisen. Happy sofa travelling!

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