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Wie reagieren Modeunternehmen wie Hugo Boss, Adidas und Wortmann auf den Ukraine-Krieg?

Erst konnten wir kaum glauben, dass ein Krieg mitten in Europa ausbricht, dann herrschte tiefes Mitgefühl für die Not der ukrainischen Bevölkerung. Die Modewoche in Mailand lief bereits einige Tage, als  die Situation in der Ukraine eskalierte. Ein Krieg überschattete plötzlich die wohl wichtigsten Schauen  seit einigen Saisons. Die Modewelt hatte besondere Hoffnung in diese Tage gesetzt. Viele Couturehäuser hielten zum ersten Mal seit zwei Jahren Pandemie wieder eine richtige Show vor Publikum ab und hatten sich für den Neustart besondere Inszenierungen überlegt. Konzepte, die das Publikum nach so langer Zeit der Abstinenz überraschen und fesseln sollten. Der Modeschöpfer Giorgio Armani war unter den ersten aus der Bekleidungsindustrie, die auf die neue Situation, den Krieg in der Ukraine, ein Zeichen setzten. Er verzichtete bei seiner Modenschau auf Musik, „als ein Zeichen des Respektes gegenüber den Menschen, die in der Tragödie verwickelt sind, die sich in der Ukraine abspielt.”

Armani hat vorgemacht, wie kraftvoll Mode Zeichen setzen kann

Aber es ist offensichtlich nicht  einfach, den richtigen Ton zu treffen. Die meisten Unternehmen sprechen Beistand für die Ukraine aus, ohne die russische Invasion zu erwähnen. Vor allem Unternehmen mit eigenen Standorten und Angestellten in Russland befinden sich in einem Dilemma und halten sich bisher mit Aussagen gegen das Vorgehen des russischen Staates zurück. Inzwischen haben die ersten Modeunternehmen reagiert und ihre Verkäufe in Russland gestoppt. Die Mode-Branche, und nicht nur sie,  befindet sich in einem enormen Zwiespalt zwischen Solidarität mit der Ukraine und Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern/Shareholdern.

Erste Modemarkten stoppen Verkauf in Russland

Der schwedische Modekonzern H&M ist der erste der großen Fast-Fashion-Konzerne, der alle Verkäufe in seinen 168 Filialen in Russland vorübergehend stoppt.  Mango zog nach. Das ungarische Modelabel Nanuschka hat seine Geschäftsbeziehungen zu Russland ebenfalls ausgesetzt. „Das ist ein wesentlicher Schritt für uns in der gegenwärtigen Situation. Die Entscheidung richtet sich nicht gegen unsere russischen Kunden, oder Freunde, aber ist ein Zeichen gegen die Invasion in der Ukraine”, erklärte Nanuschka in einem Instagram-Post am Mittwoch. Die Gründerin und Kreativchefin Sandar Sandor wurde in Ungarn unter einem sozialistischen System geboren und habe daher eine enge emotionale Verbindung zur gegenwärtigen Krise, heißt es dort.

Hugo Boss führt Geschäfte in Russland nicht weiter

Noch am vergangenen Freitag teilte der Metzinger Modekonzern Hugo Boss mit, man führe sein Geschäft in Russland fort, “insbesondere auch im Hinblick auf die Verantwortung, die wir gegenüber unseren 200 Mitarbeitenden und deren Familien vor Ort haben”. Es hieß aber auch: „Wir beobachten und prüfen die Situation aber selbstverständlich fortwährend.” Insgesamt betreibt Hugo Boss  13 eigene Stores in Russland, das ist nur kleiner Teil der rund 440 Geschäfte weltweit.  Nach einer heftigen Schließungswelle am vergangenen Wochenende, bei der etliche internationale Marken erklärt haben, ihre russischen Geschäfte zu schließen, lenkten auch die Metzinger ein. Wie der Konzern am Montag mitteilte, werden die Läden in Russland zum 9. März  geschlossen. Der russische Online-Shop wurde bereits vergangene Woche abgeschaltet.

Adidas schließt die Läden in Russland vorübergehend

Nach Weltmarktführer Nike und dem Rivalen Puma hat sich auch der fränkische Sportartikelkonzern Adidas am Montag vorübergehend aus dem russischen Markt zurückgezogen. Der Betrieb der eigenen Läden und des Onlinehandels in Russland würden angesichts des Kriegs gegen die Ukraine bis auf weiteres eingestellt, hat Adidas mitgeteilt. Die Mitarbeiter sollen aber weiterhin ihren Lohn bekommen. In Russland – einschließlich der ehemaligen GUS-Staaten – betreibt Adidas rund 500 Läden, von fast 2.000 weltweit. Im Jahr 2020 erwirtschaftete der Konzern dort knapp drei Prozent des Umsatzes, neuere Zahlen liegen nicht vor. „Wir beobachten die Situation sehr aufmerksam und werden bei Bedarf weitere Unternehmensentscheidungen treffen“, hieß es in der Mitteilung. Bisher hatte Adidas in Reaktion auf den russischen Einmarsch nur den Vertrag mit dem russischen Fußballverband ausgesetzt, der noch bis Ende des Jahres gelaufen wäre.

Bereits am Wochenende hatte Puma den operativen Betrieb seiner 90 Geschäfte in Russland vorübergehend eingestellt. Der US-Rivale Nike hatte zunächst nur den Onlinehandel in Russland gestoppt, weil er die Lieferungen nicht mehr garantieren konnte. Am Donnerstag schlossen die Amerikaner dann auch ihre Läden.

Wortmann stellt Handel mit Russland ein

Für den  Detmolder Damenschuhhersteller Wortmann ist Russland der wichtigste Exportmarkt. Gestern teilte Jens Beining, CEO der Firma, mit, dass der Schuh-Gigant seinen Vorverkauf in Russland trotz erheblicher Umsatzeinbußen aussetzt.

Auch rein logistisch ist es kaum noch möglich, Waren nach Russland zu liefern

Der Grund sind nicht nur die Einschränkungen im internationalen Zahlungsverkehr. Die Transportkosten haben sich in den letzten Wochen drastisch erhöht. Einen LKW nach Russland zu schicken, kostete bisher 3000 Euro, jetzt sind es 8000 Euro. Zudem hat der russische Präsident verfügt, dass Waren aus dem Westen nur noch in Rubel bezahlt werden, was  wegen des  rapiden Verfalls der russischen Währung für westliche Firmen wenig lukrativ ist.

 

 

 

 

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