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Die dekadente Glitzerwelt im Pariser Luxuskaufhaus La Samaritaine

La Samaritaine„La Samaritaine“ heißt das im Juni 2021 eröffnete Kaufhaus im Herzen von Paris, doch mit einer selbstlosen Samariterin hat dieser Luxustempel rein gar nichts zu tun. Er gehört zum Imperium des reichsten Mannes Europas. Er ließ den Prachtbau mit der Art Déco-Fassade acht Jahre lang renovieren. Kosten: rund eine Dreiviertelmilliarde Euro. Wenn Bernard Arnault, Chef der Luxusgruppe LVMH, zu der Louis Vuitton gehört, Dior, Tiffany und noch etwa 70 weitere Edelmarken, wenn ein solches Alphatier ein 150 Jahre altes Kaufhaus an der Seine restauriert und wiedereröffnet, dann muss hier Geld zu verdienen sein. Sehr viel Geld.

Auf die Sekunde genau um Punkt zehn Uhr bewegt sich drinnen die Garde der Türsteher in schmalen, schwarzen Anzügen auf die Pforten zu. Sesam, öffne dich. Aus dem Erdgeschoss (Accessoires, Handtaschen) geht der Blick fünf Stockwerke hinauf, vorbei an den sich in die Höhe stapelnden Treppen mit den schmiedeeisernen Geländern, verziert mit Hunderten geschmiedeter und vergoldeter Ahornblätter durch das von hellblau gestrichenen Stahlträgern gehaltene Glasdach direkt in den Pariser Himmel. Da oben, wo auf dem umlaufenden Fresko die Jugendstil-Pfauen ihre Räder schlagen, ist der zur Zeit angesagteste Selfie-Spot der Stadt.

Man findet alles in der Samaritaine. Für einen Preis, versteht sich. Teuerste Designermode, fast ausschließlich Marken aus Arnaults Imperium. Manche Teile sind exklusiv nur hier erhältlich. Dazu Bistros, Cocktail-Bars und Restaurants, eine ganze Etage nur für Schuhe, eine ganze Etage nur für Armbanduhren, Loungeflächen, ein Raum für wechselnde Ausstellungen, ein Spa sowie die größte Beauty-Abteilung Europas. Kunden der Samaritaine können Make-up-Tutorials besuchen, Stylisten konsultieren, ihren Namen auf Taschen, Broschen und Parfumflakons gravieren lassen. Sie können einen Termin im „Apartment“ in der 1. Etage buchen und digital dort hin georderte Kleidung anprobieren.

Meine Bilanz des Besuchs: drei verwackelte Selfies unterm Glasdach und eine in der Sofalandschaft der Schuhabteilung verbummelte Viertelstunde mit Blick über die Dächer von Paris. Ich kam nicht, um zu kaufen und Monsieur Arnault noch reicher zu machen. Übrigens sah ich auch niemanden, der etwas kaufte. Ich staunte ein bisschen über die Armbanduhren zum Preis eines Einfamilienhauses und über die junge Frau, die von morgens bis abends die entwürdigende Aufgabe hat, den Damen, die sich nach dem Toilettengang im Luxusrestaurant Le Tout Paris die Hände waschen, freundlich lächelnd ein angewärmtes Handtuch zu reichen.

Für mich hat das ganze Gebäude etwas von einem nicht mehr in diese Zeit passenden Museum. Eine Ausstellung von Luxusgütern für Superreiche, die angesichts der Lebensrealitäten einer Rentnerin oder Alleinerziehenden mit kleinem Einkommen, die bei der galoppierenden Inflation keine Butter mehr kaufen kann und nur noch Margarine aufs Brot streicht, absurd wirkt. Dazu passt dann auch der Souvenir-Shop im Haus, in dem sich die Bilderwelten der Samaritaine auf Tassen, Tragetaschen und Postkarten niedergeschlagen haben – die einzigen Dinge, die hier wirklich erschwinglich sind.

La Samaritaine

 

In Paris günstig und gut zu Mittag essen? Cerstin verrät Ihnen, wo das geht.

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